Geschichte der Kirche

Geschichte der Kirche Sommeri

Die Geschichtsschreibung geht davon aus, dass seit der Zeit der Karolinger eine Kirche in Sommeri bestanden haben muss. Verschiedene Dörfer in der näheren und weiteren Umgebung (Engishofen 774, Amriswil 799, Hefenhofen 817, Auenhofen  849, Sommeri 905) wurden damals erstmals schriftlich genannt. Von der Kirche Sommeri selbst bezeugen Urkunden 1165 und 1174 erstmals von deren Vorhandensein, indem ein Leutpriester Hermann von Sumbri erwähnt wird.

Die Kollatur gehörte im Mittelalter dem Kloster St. Gallen um später bis 1749 bei Konstanz zu verbleiben. Danach ging das Recht einen Priester vorzuschlagen wieder zurück an das Kloster St. Gallen.

Zu Sommeri gehörten auch die um 1350 erbaute Kapelle in Amriswil (heute evangelisches Kirchgemeindehaus) sowie die 1454 errichtete St. Jakobskapelle in Biessenhofen.

Ausgelöst durch die Reformation verbrannten die Leute in Sommeri  am 2. Januar 1529 auf dem Friedhof die Altäre und Bilder. In der Folge wechselte die Bevölkerung zum neuen Glauben. Es fand keine heilige Messe mehr in Sommeri statt. Dies änderte sich bald wieder, als 1534 Niedersommeri  vollständig zum alten Glauben zurückkehrte und Obersommeri zur Hälfte dasselbe tat.

Sommeri war von nun an paritätisch. Die Kirche in Sommeri diente  beiden Konfessionen, die Kapelle in Amriswil wurde von den Evangelischen benützt und die Kapelle in Biessenhofen blieb katholisch. So blieb es bis ins 19. Jahrhundert.

Durch die Industrialisierung um 1850  begann Amriswil zu wachsen und die Evangelischen bauten sich 1892 eine neue eigene Kirche. Im letzten Jahrhundert errichteten sie ein weiteres Gotteshaus in Oberaach. Auch die katholische Bevölkerung in Amriswil wuchs und sie bauten sich 1911 zunächst eine eigene kleinere Kirche (heute Stefanshöfli), die dann aber 1939 durch die  heute bestehende St. Stefanskirche ersetzt wurde.

In Amriswil hat sich der katholische Konfessionsteil 1911 zusammen mit der Kaplanei Biessenhofen von Sommeri getrennt.  Die Evangelischen sind auch heute noch vereint in der evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri.

Im Jahre 2014 wurde die Kirche St. Mauritius erneut renoviert. Bei einem Handwerker-Gottesdienst zum Beginn der Renovationsarbeiten verlas Pfarrer Joachim folgende Gedanken zur Entwicklung unserer Kirche:

„Dass wir diese Kirche Sommeri so haben, wie sie dasteht, ist nicht unser Verdienst. Wir – im Sinne unsere Generation – haben die Kirche nicht erbaut. Wir haben sie vorgefunden, wie sie ist. Sie ist das Zeugnis der Vorfahren, die hier lebten. Wir haben geerbt, was andere erbaut haben. Sie ist ein Geschenk von Menschen und – ich möchte auch sagen – von Gott, der den Vorfahren den Willen, den Mut, die Kraft und die Mittel zu dieser Kirche gegeben hat. Ihm verdanken wir letztlich alles. Er hat das Gotteshaus bis zum heutigen Tag erhalten und beschützt und er lässt es sich gefallen, dass wir ihn hier anbeten dürfen.

Unsere Sommerer Kirche hat eine lange und reiche Geschichte. Die Kirche ist nicht vom Himmel gefallen. Dass hier Generationen von Menschen sehr viele Opfer gebracht und Arbeiter unvorstellbar hart gearbeitet haben, lässt sich nur ahnen.

Die Anfänge der Sommerer Kirche liegen wohl im frühen Mittelalter. Es ist möglich, dass es bereits im neunten, vielleicht schon im achten Jahrhundert an dieser Stelle hier ein Kirchlein gab. Wir wissen nichts Näheres. Völlig sicher aber ist, dass es in Sommeri in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts eine Kirche gab. Wie die damalige Kirche ausgesehen hat, ist unklar. Doch an Stelle dieser damals wohl eher kleineren, mittelalterlichen Kirche ist zwischen 1400 und 1450 eine neue gebaut worden. Diese ist uns mit ihrem kraftvoll in die Höhe strebenden Turm in ihren Grundformen und ursprünglichen Proportionen bis heute erhalten geblieben.

Nur die Decke im Kirchenschiff und das, was man als ihre Oberfläche bezeichnen könnte, sind im Laufe von 11 kleineren und grösseren Renovationen mehr oder weniger verändert worden. Auffallend ist, dass jede Generation, die seither zum Erhalt des Gotteshauses beigetragen hatte, auch ihrerseits ein gutes Stück eigenen Stils mit einbrachte. Besonders eindrücklich sind die neogotischen Elemente im Chor.

Als die Kirche damals von ihren Erbauern dem hl. Mauritius geweiht wurde, es war die Zeit des Konzils von Konstanz, hatte die Bevölkerung zwar keine bezaubernde gotische Kathedrale, aber immerhin ein beglückendes Bauwerk im Stile einfacher ländlicher Gotik vor sich, das gefällt und auf einer Anhöhe stehend markant die Gegend prägt.

Zur Geschichte der Kirche gehört, dass rund 100 Jahre nach deren Erbauung Stimmen in der Gemeinde aufkamen, die nach der Erneuerung der Kirche riefen. Die Lehre vom evangelischen Glauben, der von Zürich und Wittenberg ausging, erreichte auch Sommeri. Leider gab es Handgreiflichkeiten. So verbrannten am 2. Januar 1529 fanatisierte Kirchbürger auf dem Friedhof von Sommeri in einer wilden Szene die Altäre und die Heiligenbilder. Von 1529-1534 wurde in der Kirche keine Messe gelesen, nachdem sich die Gemeinde mit grossem Mehr für den evangelischen Gottesdienst entschieden hatte. Erst der zweite Kappeler Krieg brachte die Wende. Für die katholische Minderheit wurde wieder die Messe eingeführt. Das Kloster St. Gallen half, den entleerten Chor neu einzurichten. Am 26. Juli 1534 wurde zum ersten Mal wieder Messe gelesen. Damit ist das Gotteshaus von Sommeri eine paritätische Kirche geworden.

Von diesem Sonntag an fand über Jahrhunderte sonntags jeweils zuerst der katholische und anschliessend der evangelische Gottesdienst statt. Nicht immer gelang es, dieses Miteinander in friedlicher Weise zu leben. Doch dies ist eine andere Geschichte, die hier nicht aufgerollt werden soll.

Bemerkenswert hingegen ist die Tatsache, dass unser Gotteshaus bis heute eine paritätische Kirche geblieben ist, während im Kanton Thurgau im letzten Jahrhundert bis auf wenige Ausnahmen, die Paritätsverhältnisse aufgelöst worden sind. Ansinnen, die in diese Richtung gingen, vor allem nach dem Bau der Kirche Oberaach, sind nicht durchgedrungen.

Weiter dürfte heute von Interesse sein, dass die Eckquader aus Sandstein bei der Kirche und beim Turm wieder sichtbar gemacht werden. Diese wurden bei früheren Renovationen etwa jener von 1977 bis 1979 mit Mörtel überdeckt und lediglich mit Farbe auf den Verputz gemalt.

Was wird Sie in den kommenden Monaten erwarten?

Nachdem nun die Planungsarbeiten abgeschlossen sind und die beiden Kirchgemeinden den Baukredit genehmigt haben, soll es bereits nächste Woche losgehen, so hoffen wir.

Unter der Leitung von Architekt Guido Santschi kommen viele Handwerker zum Einsatz. Alles qualifizierte Leute wie beispielsweise Gerüstebauer, Maurer, Steinmetze, Maler, Dachdecker, Spengler, Landschaftsgärtner, Elektriker, Vergolder. Es freut die Baukommission, dass die Aufträge an qualifizierte Unternehmen der Region oder wenigstens der Ostschweiz vergeben werden konnten.

Die Bauhandwerker haben ein detailliertes Bauprogramm erhalten.

Als erstes wird um die Kirche herum gerodet. Wer dies möchte, kann sich für seinen privaten Garten einen Strauch sichern. Schon bald wird auf der nördlichen Seite der Kirche ein Baustellenplatz eingerichtet. Alles wird mit Absperrungen gesichert.

Besonders eindrücklich wird sein, wenn das Gerüst aufgerichtet wird, ein wahres Wunderwerk menschlicher Konstruktionskunst, das bis zur Turmspitze hinauf reicht. Der Fassadenverputz wird überall gründlich geprüft und wo nötig repariert oder sogar abgestossen und neu aufgebaut. Die defekten Sandsteine müssen durch neue ersetzt werden. Und auch am Dach gibt es einiges zu tun. Gerade die von vielen so geschätzten farbigen Ziegel müssen neu verlegt und wo sie defekt sind, ausgewechselt werden. Das alles ist nicht so einfach, aber äusserst spannend. Ein besonderer Höhepunkt wird sein, wenn die vergoldete Turmkugel von einem schwindelfreien Spengler herunter geholt wird. Was für Schätze birgt diese Kugel wohl. Über solche Höhepunkte wollen wir Sie fortlaufend informieren und gegebenenfalls dazu einladen.

Erfreulich ist, dass während der ganzen Bauzeit Gottesdienste stattfinden können, und auch Abdankungen sind möglich. Für Trauerfeiern werden die Arbeiten unterbrochen.

Ziel ist, dass die Kirche Ende Oktober, aber sicher anfangs November neu erstrahlt.

Zur Freude der Gläubigen, des Dorfes und zur Ehre Gottes. Notieren Sie sich schon jetzt: Der Einweihungsgottesdienst findet voraussichtlich am 9. November statt.“